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Die Geschichte der Seife

Die sogenannte Verseifung ist ein chemischer Prozess, den schon die Steinzeitmenschen entdeckt hatten: das Fett der über dem Feuer gebratenen Tiere tropfte in die Glut, der Regen durchnässte die Asche und so entstand ein seifiges Produkt, das sich erstaunlich gut von den Händen entfernen liess. Asche und Fett waren also die Grundsubstanzen der ersten Seifen, die bereits die Babylonier (ca. 2500 v.Chr.) und später auch die Römer (ca. 200 v.Chr.) verwendeten.

2500 v. Chr.

Die Sumerer entdecken die Wirkung von "Seife". Sie stellen Alkalilösungen her.

In Kleinasien benützen die Hethiter zum Waschen die in Wasser gelöste Asche des Seifenkrauts.

1.Jhd. n. Chr.

Plinius der Ältere beschreibt verschiedene Formen von farbigen Seifen, "rutilandis capilis".

Die Gallier und die Germanen benützen Seife, um ihre Haare rötlich zu färben. Sie stellen sie aus Ziegentalg und Buchenasche her. Bei den Germanen wird die Seife vorwiegend von den Männern benützt.

200 n.Chr.

Der römische Arzt Galenus entwickelt ein Rezept für "Sapo", einem Reinigungs- und Heilmittel, das aus Aschenlauge, Fett und Kalk hergestellt wurde.

1.Jhd. n.Chr.

Die Araber entdecken die Verwendung von Ätzkalk in der Seifenherstellung. Erst damit wurde es möglich harte Seifen zu machen.

Die Araber bringen die Seifen nach Spanien, wo sie sich durch den Zusatz von Duftstoffen bald zu luxuriösen Kosmetikartikeln entwickeln.

In England und in den Niederlanden entsteht eine eigene Seifenindustrie.

14.Jhd.

Die Zentren der Seifenherstellung finden wir vor allem im Mittelmeerraum: Alicante, Sevilla, Savona, Genua, Venedig.

Auch in Mitteleuropa entstehen solche Zentren: 1324 in Augsburg (D), 1336 in Prag und 1337 in Wien.

Alte Seife Vorne

Seife, ca. 80 -100 jährig, hergestellt in Winterthur CH

Alte Seife Hinten

Die Seifenherstellung im Mittelalter

Wie wir wissen, braucht es für den Verseifungsprozess Fette und Lauge. Heute kaufen wir in der Apotheke Natronlaugeplättchen (Natriumhydroxid, NaOH) und im Supermarkt das Kokosfett. Doch im Mittelalter war die Seifensiederei doch um ein Vielfaches aufwendiger:

Wie entsteht Natronlauge?

Da das Sodasalz erst viel später entdeckt wurde, stellte man im Mittelalter die Seifen mit Holzasche her (Hartholz, z.B. Buche). Zunächst wurde also die Holzasche fein gemahlen. Um nun die Lauge zu erhalten, goss man langsam Wasser über die Holzasche. Um zu verhindern, dass Aschenstückchen in die Lauge kamen, nahm man dazu oft eine Art grossen Trichter, der unten mit Stroh ausgelegt war. Das Wasser lief durch, die Asche blieb hängen. Es wurde so lange Wasser darüber gegossen, bis unten eine bräunliche Flüssigkeit herauskam: die Lauge.

Wie wird das Fett zubereitet?

Das tierische Fett wurde zunächst von allem Muskelfleisch befreit und danach wie Schmalz ausgelassen, also geschmolzen. Vermutlich wurde das Fett anschliessend durch Tücher abgegossen, damit so wenig Verunreinigungen wie möglich im Öl waren.

Oft wurde das Fett mit derselben Menge Wasser so lange in einem grossen Topf gekocht, bis es flüssig war, dann wieder abgekühlt, damit sich an der Oberfläche wieder eine Fettschicht bildete, die dann vorsichtig abgeschöpft wurde.

Wichtig war, dass das Fett auch ohne Kühlmöglichkeiten nicht ranzig wurde. Eine Seife, die mit ranzigem Fett hergestellt wurde, erfüllte ihre Dienste zwar genauso gut, aber stellen Sie sich den Geruch vor! Nur schon eine reine Schweineschmalzseife hat einen unglaublichen Eigengeruch...

Verwendet wurde jedes erhältliche Fett, meist Rindertalg oder Schweineschmalz, aber auch Hühnerfett, Fischöl, etc. wurde verarbeitet.

Der Verseifungsprozess

Das so vorbereitete Fett wurde in einem Topf mit derselben Menge Lauge zum Kochen gebracht, und zwar so lange, bis sich ein sogenannter Seifenkern bildete. Der Verseifungsprozess war abgeschlossen, wenn die "Zungenprobe" erfolgreich war: ein winziges Stückchen "Seife" wird auf die Zunge gelegt, fühlt es sich an wie ein "Biss", ist die Seife zu alkalisch. Dieser Kochvorgang konnte 6-8 Stunden dauern, je nach Menge und Intensität der Lauge.

Anschliessend wurde die Seifenmasse in Holzkisten gegossen und so gereift.

Harte und weiche Seife

Die so zubereitete Seife wurde eher weich, wollte man ein härteres Stück, gab man am Ende des Kochvorgangs gewöhnliches Salz hinzu. Da Salz aber ein kostbares und teueres Gut war, wurde meist darauf verzichtet. In den reichen Städten hingegen wurde diese harte Seife mit Lavendel oder später auch mit Rosenwasser parfümiert und dann als Toilettenseife verkauft.

Die neue Seifenära

Nachdem im 18.Jahrhundert das Sodasalz entdeckt wurde, begann eine neue Seifenära. Die frühen Seifen waren äusserst aggressiv. Dank neuen, sanften Herstellungsmethoden eroberten sich die Seifen einen Platz in der Welt der Pflegeprodukte.

In England und Amerika wurden seit jeher Seifen im eigenen Haushalt hergestellt. Diese Technik ging aber im Laufe der Jahre etwas verloren. Doch seit einiger Zeit zeichnet sich nicht nur in diesen zwei Ländern wieder ein Trend zu selber hergestellten Seife ab.

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