Seifen sieden heute
Seifenstücke sind wieder salonfähig geworden. War es vor ein paar Jahren noch verpönt, ein Stück Seife im Badezimmer liegen zu haben, wo es doch all diese hygienischen Flüssigseifenspender gab, steht heute die Seife wieder für Luxus, Sinnlichkeit, Natürlichkeit. Heute gibt es Seifen in allen Formen, in allen Farben und Duftrichtungen, transparente Glycerinseifen mit eingegossenen Spielzeugen und opaque Seifen in teuren Verpackungen mit dem Schriftzug bekannter Modemarken.
Mittlerweile gibt es in jedem Bastel- oder gar Spielwarengeschäft Sets zum Seifen giessen. Hierbei handelt es sich aber immer um fertige Seife, meist sogenannte Glyzerinseife ("melt and pour"), die wieder geschmolzen, eingefärbt und parfümiert wird. Da bei diesem Vorgang die zusätzlichen Inhaltsstoffe nicht in Kontakt mit der Natronlauge kommen und man hier nicht allzu hohe Temperaturen benötigt, ist man viel freier in der dekorativen Gestaltung der Seifen (Formen, Zugabe von Blüten, etc.)
Wir wollen aber unser Seifenstück von Grund auf selber machen, und zwar im Gegensatz zu grossindustriell produzierter Seife werden wir unsere Seife bei relativ niedrigen Temperaturen herstellen. Während des Verseifungsprozesses steigt jedoch die Temperatur in den Formen, diese müssen also wärmebeständig sein. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf und nehmen Sie Kartonschachteln, Schubladeneinteilungen aus Kunststoff, Mohrenkopf- oder Puddingverpackungen, etc.. Starre Glas- oder Metallformen sind weniger geeignet. Verwenden Sie niemals Aluminiumformen, Töpfe, Spachtel, ... , da diese bei Kontakt mit der Natronlauge reagieren und schwarz werden.
Bei dem sogenannten Verseifungsprozess werden Fette und Natronlauge gemischt. Natronlauge bekommen Sie in der Schweiz nur mit einem Giftschein in der Drogerie oder Apotheke.
ACHTUNG: Reine Natronlauge ist äusserst aggressiv und kann schwere Verätzungen an Haut, Schleimhäuten oder Augen hervorrufen!
Lassen Sie sich aber durch all diese Vorsichtsmassnahmen nicht die Freude am Seifensieden nehmen. Mit der Zeit wird Ihnen das Anziehen von Brille und Handschuhen in Fleisch und Blut übergehen. Dennoch ist es gut, sich zwischendurch immer wieder mal der Situation und der möglichen Gefahrenquellen bewusst zu werden
Doch nun zu unserem Grundrezept:
Wir wollen ein relativ hartes Seifenstück mit einem hohen Anteil an feuchtigkeitsregulierendem, rückfettenden Olivenöl herstellen, welches für jeden Hauttyp geeignet ist.
Grundrezept Seife
Beachten Sie: Die angegebenen Mengen beziehen sich nur auf dieses Rezept. Andere Öle verlangen eine andere Menge Natriumhydroxid. Wenn Sie ein Fett gegen ein anderes austauschen wollen, können Sie das problemlos tun, indem Sie unseren SAP-Faktor-Rechner verwenden (SAP = saponification)
Zusätzlich benötigen Sie:

Zum Verfeinern der Seife:
Das Vorbereiten der Formen
Wenn Sie Kunststoffformen verwenden, brauchen Sie nichts weiter zu tun. Bei Formen aus Karton oder Holz legen Sie die Form so glatt wie nur möglich mit Backtrennpapier aus (wenn Sie die Seife aus der Form lösen, wird jede Falte sichtbar sein).
Egal ob Sie Einzelformen oder eine grosse Sammelform verwenden (und die Seife erst später in Stücke schneiden wollen), stellen Sie sie auf ein Brett oder ein Tablett, damit Sie sie später an einen anderen Ort tragen können.
Jetzt geht es aber los!
Geben Sie die Basisöle in den grossen Kochtopf. Denken Sie daran, dass der Topf gross genug sein muss, um auch noch die Wassermenge aufzunehmen! Lassen Sie bei mittlerer Hitze die Öle langsam schmelzen bzw. erwärmen. Achten Sie darauf, dass die Temperatur nicht über 60 - 65 Grad steigt.
Ziehen Sie Schutzbrille und Handschuhe an.
Wiegen Sie das (kalte) Wasser im Messbecher ab. Wiegen Sie die Natronlaugeplättchen in einem separaten Gefäss ab.

Geben Sie die Natronlaugeplättchen zum Wasser (NIE UMGEKEHRT, NIE IN WARMES WASSER!!! Sie würden damit einen riesigen "Vulkan" produzieren!).
Rühren Sie gut um, damit sich alle Plättchen auflösen. Die Temperatur steigt innert wenigen Sekunden auf ca. 90 Grad. In dieser Zeit bilden sich auch äusserst aggressive Dämpfe. Tragen Sie daher eine Atemschutzmaske oder arbeiten Sie zumindest unter einer Dampfabzugshaube oder am offenen Fenster.
Beachten Sie, dass die Temperatur schnell ca. 100 Grad erreicht. Verwenden Sie daher immer feuerfeste Gefässe!
Lassen Sie die Natronlauge und die Öle auf dieselbe Temperatur zwischen 45 und 55 Grad abkühlen.
Sie werden Rezepte mit anderen Temperaturangaben finden. Ich selber habe auch schon Seifen bei tieferen Temperaturen gemacht, wobei der Verseifungsprozess dann beinahe endlos lange geht....
Giessen Sie nun die Natronlauge zu den Ölen (NIE UMGEKEHRT!) und rühren Sie gut um.


Nun dauert es je nach Ölen und Temperatur zwischen 5 und 60 Minuten, bis die Seifenmasse eindickt. Rühren Sie immer wieder gut um. Wenn die Seifenmasse eine puddingähnliche Konsistenz erreicht hat, geben Sie Farbe, Zusatzstoffe und zuletzt die ätherischen Öle dazu.
Wenn Sie unsicher sind, ob Sie den richtigen Punkt erreicht haben, lassen Sie ein bisschen Seife vom Löffel zurück in den Topf tropfen. Wenn auf der Seifenmasse eine Spur zu sehen ist ( engl.:trace), ist die Seife perfekt. Lassen Sie sich nicht beirren, wenn Ihre Seife sehr lange braucht, bis sie eindickt. Wenn Sie überzeugt sind, dass Sie alle Zutaten richtig abgewogen haben, wird Ihre Seife irgendwann fest werden. Manche Öle verseifen schneller als andere. Wenn Ihre Seife auch nach 1 1/2 Std. nicht richtig eingedickt ist, giessen Sie sie dennoch in die Form. Der Verseifungsprozess wird auch so beendet werden. Vielleicht müssen Sie dann allerdings auch hier etwas länger warten, bevor Sie die Seife aus der Form lösen können.
Sollte Ihre Seife mal gar nicht eindicken wollen, können Sie auch einen Stabmixer zum Rühren benützen. Tragen Sie aber auf jeden Fall eine Brille und Handschuhe, lassen Sie ihn auf niedrigster Stufe und immer nur ein paar Sekunden laufen. Sie werden staunen, wie schnell die Masse verseift!
Wenn Sie nun also alle Zusätze wie ätherische Öle etc. hinzugefügt haben, rühren Sie die Masse noch ein letztes Mal gut um und giessen Sie sie dann in die Formen.



Die Formen mit alten Frotteetüchern abdecken und 24 h bei gleichbleibender Temperatur stehen lassen
Bevor Sie die Seife aus den Formen lösen, ziehen Sie wieder Handschuhe an. Denken Sie daran, dass auch diese Seife immer noch einen relativ hohen Anteil an Natronlauge enthält.
Gehen Sie behutsam an die Arbeit, die Seifenstücke sind etwa so weich wie Butter bei Zimmertemperatur.
Sollte sich die Seife nicht gleich aus der Form lösen, können Sie entweder die Form für ca. 1 Std. in den Tiefkühler stellen und es dann noch einmal versuchen. Oder Sie üben sich in Geduld und geben der Seife noch einmal 24 h Zeit, fester zu werden.
Schneiden Sie die Seife in beliebige Stücke und legen Sie sie auf ein Brett (mit Backtrennpapier) und decken Sie sie mit dem Papier ab. Nun muss die Seife etwa 4 Wochen reifen. In dieser Zeit verdunstet das Wasser und Ihre Seife wird hart. Während dieser Zeit sollten Sie sie alle 2 - 3 Tage wenden, damit sie von allen Seiten gleichmässig trocknen kann.

Nach vier Wochen Geduld ist es dann so weit und Sie können sich dem luxuriösen Vergnügen hingeben, sich mit einer handgefertigten Seife zu waschen. Geniessen Sie es!
Wenn Sie es vor lauter Ungeduld gar nicht mehr aushalten, können Sie ein kleines Seifenstück auch schon früher (nach ca. 2 Wochen) zum Händewaschen und daran Schnuppern benützen.